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Veranstaltungen

 

8.-13. Juli 2007
Studienreise nach Südmähren

Sehenswürdigkeiten, Natur und Kultur Südmährens standen im Mittelpunkt der offenen Studienreise des Kulturreferenten mit 20 Teilnehmern. Auf dem Hinweg wurde dabei noch in Neuhaus (Jindřichův Hradec) Station gemacht, wo u. a. die mechanische Krýza-Krippe mit über 100 beweglichen Figuren und das Schloss der Herren von Neuhaus besichtigt wurden. Die Stadt Datschitz (Dačice), in der Jakob Christoph Rad den Würfelzucker erfand und Carl Anton Theodor Dalberg, letzter Erzkanzler des Heiligen Römischen Reichs und Erzbischof von Regensburg einst Schlossbesitzer war, stellte dabei die erste Station in Mähren dar.

 

  

Das Würfelzuckerdenkmal von Datschitz,

rechts das Rondell des Schlosskomplexes in Neuhaus

 

Die Städte Teltsch (Telč) und Trebitsch (Třebíč), deren Stadtkerne unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbe stehen, waren die Höhepunkte des nächsten Tages. Teltsch bezauberte mit seinem Stadtplatz, dessen Häuser miteinander im Wettstreit um die schönste Fassade und den originellsten Giebel stehen. In Trebitsch waren die romanische Prokop-Kirche mit ihrem gut erhaltenen Portal und das ehemalige jüdische Ghetto, das in den achtziger Jahren nur durch glückliche Fügung vom Abriss durch die Kommunisten verschont geblieben war, Höhepunkte des Rundgangs. Im Schloss Jarmeritz (Jaroměřice nad Rokytnou) hielt sich Baron Johann Adam von Questenberg im 18. Jhd. ein ausgezeichnetes Schlossorchester, das aus seiner eigenen Dienerschaft bestand.

 

   Links der Stadtplatz von Teltsch, in der Mitte das Eingangsportal der Trebitscher Prokop-Kirche, rechts Schloss Jarmeritz mit der Schlosskirche St. Margareta und ihrer Kuppel

 

Der vom bekannten Wiener Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach entworfene Ahnensaal des malerisch auf einem Felsen gelegenen Schlosses von Frain (Vranov) zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken Südmährens. In der Rotunde von Znaim (Znojmo) konnten die ältesten erhaltenen romanischen Fresken Mährens besichtigt werden, die u. a. das Geschlecht der Premysliden darstellen.

 

     

Schloss Frain mit dem Ahnensaal (links), rechts die Rotunde in Znaim

Das Nikolsburger Schloss brannte in den letzten Kriegstagen fast vollständig ab. Ein Freundeskreis hat es mit vielen Spenden wieder aufgebaut, heute erstrahlt es wieder in altem Glanz. Nikolsburg (Mikulov) liegt im Zentrum eines riesigen Weinbaugebiets und beherbergte einst die zahlenmäßig bedeutendste jüdische Gemeinde Mährens, wovon auch ein gut erhaltener und beeindruckender jüdischer Friedhof sowie Reste des ehemaligen Ghettos und eine Synagoge zeugen.

 

 

Nikolsburger Schloss mit dem Heiligen Berg im Hintergrund,

rechts der Nikolsburger jüdische Friedhof

Das Areal zwischen Eisgrub (Lednice) und Feldsberg (Valtice) und die dort stehenden beiden Liechtenstein-Schlösser stehen ebenfalls unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes. Auch die zahlreichen Baudenkmäler im Schlosspark (Minarett, Maurisches Wasserwerk) und in der Umgebung wie z. B. das Grenzschlösschen (Hraniční zámeček) in Bischofswarth (Hlohovec), das die bis 1919 gültige Grenze zwischen Mähren und Österreich markierte, oder die pseudoromantische Hansenburg (Janův Hrad) gehören zu den Sehenswürdigkeiten des Areals.

 

   

Links das im englischen Tudorgotik-Stil gebaute Schloss von Eisgrub, rechts das Barockschloss von Feldsberg.

In der Mitte das Grenzschlösschen mit dem Grenzbächlein

 

Am folgenden Tag stand ein Besuch des Schloss-Museums in Mährisch-Kromau (Moravský Krumlov) und der dortigen gewaltigen Gemälde (8 x 6m groß) zur Geschichte der Slawen von Alfons Mucha, die unter dem Namen Slawische Epopöe bekannt wurden, an. Mucha malte daran ca. 18 Jahre (1910-1928), u. a. finden sich darunter Darstellungen von Jan Hus und Comenius. Am Gedenkkreuz in Pohrlitz (Pohořelice) wird an den Tod von ca. 900 Deutschen erinnert, die 1945 gezwungen wurden, die Stadt Brünn zu verlassen und während des folgenden Todesmarsches in Richtung österreichische Grenze ums Leben kamen. Den Abschluss der Südmähren-Reise bildete eine Wanderung durch das Naturreservat Pollauer Berge (Pálava). Frau Řezáčová vom Zentrum für ökologische Erziehung (Centrum ekologické výchovy Pálava) vermittelte einen Eindruck über die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt des geschützten Gebiets. Der Weg führte u. a. auch über die von den Schweden 1645 zerstörte Maidenburg (Děvičky), von der sich ein herrlicher Ausblick auf den Neumühl-Stausee (Novomlýnská nádrž) und die umliegenden Dörfer bot.

 

         

Typisch mährische Weinkeller in Guldenfurt (Brod nad Dyjí),

rechts der Stausee Neumühl (Nové Mlýny)mit dem Dorf Pollau (Pavlov)

Auf dem Heimweg stand noch der Meditationsgarten in Pilsen auf dem Programm. Luboš Hruška, ein politischer Gefangener der Kommunisten, der den Garten als eine Gedenkstätte für die Opfer des Bösen (Památník obětem zla) anlegte, musste Zwangsarbeit in den Uranbergwerken im erzgebirgischen Joachimsthal (Jáchymov) leisten. Durch die damit verbundene Strahlenbelastung erkrankte er an Krebs, an dem er Ende Juni 2007 schließlich starb. Eine beeindruckende Videoaufzeichnung über sein Leben hinterließ dabei große Betroffenheit.

 

    

Bild aus dem Meditationsgarten, der mit Sandstein-Statuen des Künstlers Roman Podrázsky ausgestattet ist, die den Kreuzweg symbolisieren.

Rechts ein Bild zum Andenken an den kürzlich verstorbenen Luboš Hruška

 

Fotos ©Wolfgang Schwarz

 

Reiseleitung

Dr. Wolfgang Schwarz
Kulturreferent für die böhmischen Länder
Adalbert Stifter Verein e.V.
Hochstraße 8, D-81669 München
Tel. (089) 622 716 35, Fax (089) 4 89 11 48
Email: schwarz@asv-muen.de

 

 

 

 


 

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