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Sehenswürdigkeiten, Natur
und Kultur Südmährens standen im Mittelpunkt der offenen Studienreise
des Kulturreferenten mit 20 Teilnehmern. Auf dem Hinweg wurde dabei
noch in Neuhaus (Jindřichův Hradec) Station gemacht, wo u. a. die
mechanische Krýza-Krippe mit über 100 beweglichen Figuren und
das Schloss der Herren von Neuhaus besichtigt wurden. Die Stadt
Datschitz (Dačice), in der Jakob Christoph Rad den Würfelzucker
erfand und Carl Anton Theodor Dalberg, letzter Erzkanzler des Heiligen
Römischen Reichs und Erzbischof von Regensburg einst Schlossbesitzer
war, stellte dabei die erste Station in Mähren dar.
Das
Würfelzuckerdenkmal von Datschitz,
rechts
das Rondell des Schlosskomplexes in Neuhaus
Die Städte Teltsch (Telč)
und Trebitsch (Třebíč), deren Stadtkerne unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbe
stehen, waren die Höhepunkte des nächsten Tages. Teltsch bezauberte
mit seinem Stadtplatz, dessen Häuser miteinander im Wettstreit um
die schönste Fassade und den originellsten Giebel stehen. In Trebitsch
waren die romanische Prokop-Kirche mit ihrem gut erhaltenen Portal
und das ehemalige jüdische Ghetto, das in den achtziger Jahren nur
durch glückliche Fügung vom Abriss durch die Kommunisten verschont
geblieben war, Höhepunkte des Rundgangs. Im Schloss Jarmeritz (Jaroměřice
nad Rokytnou) hielt sich Baron Johann Adam von Questenberg im 18.
Jhd. ein ausgezeichnetes Schlossorchester, das aus seiner eigenen
Dienerschaft bestand.
Links der Stadtplatz von Teltsch, in der Mitte das
Eingangsportal der Trebitscher Prokop-Kirche, rechts Schloss
Jarmeritz mit der Schlosskirche St. Margareta und ihrer
Kuppel
Der vom
bekannten Wiener Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach
entworfene Ahnensaal des malerisch auf einem Felsen gelegenen Schlosses
von Frain (Vranov) zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken Südmährens.
In der Rotunde von Znaim (Znojmo) konnten die ältesten erhaltenen
romanischen Fresken Mährens besichtigt werden, die u. a. das Geschlecht
der Premysliden darstellen.
Schloss Frain
mit dem Ahnensaal (links), rechts die Rotunde in Znaim
Das Nikolsburger Schloss
brannte in den letzten Kriegstagen fast vollständig ab. Ein Freundeskreis
hat es mit vielen Spenden wieder aufgebaut, heute erstrahlt es wieder
in altem Glanz. Nikolsburg (Mikulov) liegt im Zentrum eines riesigen
Weinbaugebiets und beherbergte einst die zahlenmäßig bedeutendste
jüdische Gemeinde Mährens, wovon auch ein gut erhaltener und beeindruckender
jüdischer Friedhof sowie Reste des ehemaligen Ghettos und eine Synagoge
zeugen.

Nikolsburger
Schloss mit dem Heiligen Berg im Hintergrund,
rechts
der Nikolsburger jüdische Friedhof
Das Areal
zwischen Eisgrub (Lednice) und Feldsberg (Valtice) und die dort
stehenden beiden Liechtenstein-Schlösser stehen ebenfalls unter
dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes. Auch die zahlreichen Baudenkmäler
im Schlosspark (Minarett, Maurisches Wasserwerk) und in der Umgebung
wie z. B. das Grenzschlösschen (Hraniční zámeček) in Bischofswarth
(Hlohovec), das die bis 1919 gültige Grenze zwischen Mähren und
Österreich markierte, oder die pseudoromantische Hansenburg (Janův
Hrad) gehören zu den Sehenswürdigkeiten des Areals.

Links
das im englischen Tudorgotik-Stil gebaute Schloss von Eisgrub,
rechts das Barockschloss von Feldsberg.
In
der Mitte das Grenzschlösschen mit dem Grenzbächlein
Am folgenden Tag stand
ein Besuch des Schloss-Museums in Mährisch-Kromau (Moravský Krumlov)
und der dortigen gewaltigen Gemälde (8 x 6m groß) zur Geschichte
der Slawen von Alfons Mucha, die unter dem Namen Slawische Epopöe
bekannt wurden, an. Mucha malte daran ca. 18 Jahre (1910-1928),
u. a. finden sich darunter Darstellungen von Jan Hus und Comenius.
Am Gedenkkreuz in Pohrlitz (Pohořelice) wird an den Tod von ca.
900 Deutschen erinnert, die 1945 gezwungen wurden, die Stadt Brünn
zu verlassen und während des folgenden Todesmarsches in Richtung
österreichische Grenze ums Leben kamen. Den Abschluss der Südmähren-Reise
bildete eine Wanderung durch das Naturreservat Pollauer Berge (Pálava).
Frau Řezáčová vom Zentrum für ökologische Erziehung (Centrum ekologické
výchovy Pálava) vermittelte einen Eindruck über die vielfältige
Tier- und Pflanzenwelt des geschützten Gebiets. Der Weg führte u.
a. auch über die von den Schweden 1645 zerstörte Maidenburg (Děvičky),
von der sich ein herrlicher Ausblick auf den Neumühl-Stausee (Novomlýnská
nádrž) und die umliegenden Dörfer bot.
Typisch
mährische Weinkeller in Guldenfurt (Brod nad Dyjí),
rechts der
Stausee Neumühl (Nové Mlýny)mit dem Dorf Pollau (Pavlov)
Auf dem Heimweg stand
noch der Meditationsgarten in Pilsen auf dem Programm. Luboš
Hruška, ein politischer Gefangener der Kommunisten, der
den Garten als eine Gedenkstätte für die Opfer des Bösen (Památník
obětem zla) anlegte, musste Zwangsarbeit in den Uranbergwerken
im erzgebirgischen Joachimsthal (Jáchymov) leisten. Durch die damit
verbundene Strahlenbelastung erkrankte er an Krebs, an dem er Ende
Juni 2007 schließlich starb. Eine beeindruckende Videoaufzeichnung
über sein Leben hinterließ dabei große Betroffenheit.
Bild aus
dem Meditationsgarten, der mit Sandstein-Statuen des Künstlers Roman
Podrázsky ausgestattet ist, die den Kreuzweg symbolisieren.
Rechts
ein Bild zum Andenken an den kürzlich verstorbenen Luboš Hruška
Fotos ©Wolfgang Schwarz
Dr. Wolfgang
Schwarz
Kulturreferent für die böhmischen Länder
Adalbert Stifter Verein e.V.
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