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Kulturelle Brücken in Europa. Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945

21. April - 26. Juni 2022, Alfred-Kubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, München
Mo - Mi, Fr 10.00 - 18.00 Uhr, Do 10.00 - 21.00 Uhr

Als einige Adelige aus Böhmen und Mähren nach 1945 Brücken über politische, nationale und gesellschaftliche Grenzen hinweg schlugen, war ihr Wirken von Kultur, Menschlichkeit und christlichem Glauben geprägt. Dank ihrer familiären Verbindungen sowie der Zugehörigkeit zu europäischen und christlichen Netzwerken und geleitet von einem ererbten Verantwortungsgefühl trugen auch sie schließlich zur politischen Wende im Jahr 1989 bei.

Die Ausstellung beleuchtet das Leben und Engagement von Johanna von Herzogenberg, Karl Schwarzenberg, Pater Angelus Waldstein-Wartenberg OSB, Nikolaus Lobkowicz, Franz Schwarzenberg, Richard Belcredi, Ferdinand Kinsky, Daisy Waldstein-Wartenberg und Familie Thun so wie weiterer Persönlichkeiten. Dieses Thema wird bislang in der Forschung nur wenig bis kaum beachtet, vermutlich auch weil es in der Regel abseits der Öffentlichkeit stattfand; darüber hinaus können inzwischen nur noch wenige Zeitzeugen berichten.

Neben den Biografien und Aktivitäten einzelner Persönlichkeiten zeigt die Ausstellung auch die Hintergründe ihres Engagements, die sich aus der Einstellung des Adels zum Eigentum, zum Kulturerbe, zur Nation, aber auch aus der christlichen Weltanschauung ergeben.

Donnerstag, 21. April 2022

18.30 Uhr

Kulturelle Brücken in Europa. Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945

Ausstellungseröffnung und Filmvorführung

Alfred-Kubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, München

Als Adelige aus Böhmen und Mähren nach 1945 Brücken über politische, nationale und gesellschaftliche Grenzen hinweg schlugen, war ihr Wirken von Kultur, Menschlichkeit und christlichem Glauben geprägt. Dank ihrer familiären Verbindungen sowie der Zugehörigkeit zu europäischen und christlichen Netzwerken und geleitet von einem ererbten Verantwortungsgefühl trugen auch sie schließlich zur politischen Wende im Jahr 1989 bei.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor der Adel in den böhmischen Ländern nach und nach seine zentrale Rolle in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Adelige, die als Deutsche galten, enteignet und vertrieben. Von denjenigen, die sich als Tschechen betrachteten, flohen viele nach dem kommunistischen Umsturz 1948 aus dem Land.

Wie ihre Landsleute mussten sie im Exil aus dem Nichts neue Existenzen aufbauen. Trotzdem halfen auch sie materiell und finanziell, auf offiziellen und heimlichen Wegen, gründeten Hilfswerke und informierten in den Medien über das Geschehen diesseits und jenseits der Grenzen. Sie hielten das Bewusstsein für die gemeinsamen kulturellen Wurzeln wach, obwohl ihr engagierter Einsatz oft abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit stattfand.

In Erinnerung an die langjährige Geschäftsführerin des Adalbert Stifter Vereins Johanna von Herzogenberg, die 2021 ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, möchten wir die Wahrnehmung für diesen Abschnitt unserer gemeinsamen Vergangenheit schärfen. Er bildet einen bedeutenden Mosaikstein der mitteleuropäischen Geschichte im 20. Jahrhundert.

Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung wurden auch Zeitzeugeninterviews aufgenommen. Aus diesen Interviews entstand der Film Adel im Exil, der an diesem Abend seine Premiere feiert.

Grußworte: Peter Becher (Adalbert Stifter Verein), Zdeněk Hazdra (Ústav pro studium totalitních režimů)

Festrede: Jaroslav Lobkowicz (Unternehmer, Politiker und Oberhaupt des Hauses Lobkowicz)

Adel im Exil, D/CZ 2022. Drehbuch Jan Blažek (Post Bellum), 30 Min.

Anmeldung erforderlich unter eveeno.com/kulturelle-bruecken

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Institut zur Erforschung totalitärer Regime [Ústav pro studium totalitních režimů], Prag

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Archiv Erich Prinz Lobkowicz

Erich Prinz Lobkowicz als Begleiter durch die Ausstellung

 

Erich Prinz Lobkowicz wurde 1955 in München als zweiter Sohn von Nikolaus Lobkowicz geboren. Seine Familie ist mit den böhmischen Ländern fest verbunden, er selbst lebte dort aber nie. Mit seinen Kurztexten und Kommentaren begleitet er Sie durch die Ausstellung und ihre Themen, die auch ihm vertraut und entfernt zugleich sind.

 

Einführung

Böhmen war für uns die Heimat unserer Familie, ein Schlösser-übersätes Märchenland in der Mitte von Europa.

 

Glaube

Die großen Herrschaften waren sehr katholisch, und alle Vollzüge ihrer Konfession prägten den Alltag und das Jahr. Das hat sich durchaus auch in Flucht, Vertreibung und Exil durchgehalten.

Die Identifizierung der katholischen Kirche mit Habsburg konnte sie in Böhmen nie ganz abschütteln, was die unterschiedliche Entwicklung zwischen Böhmen und Polen erklärt. Kirche in Polen ist Volkswiderstand, Kirche in Böhmen war Teil des Staatsapparates.

 

Böhmischer Adel und Nationalstatt nach 1918

Die Tschechoslowakei zwischen den Kriegen, wie auch Böhmen in der Donaumonarchie, war ein hochentwickeltes Land mit großem Wohlstand, einer stolzen städtischen Bürgerschicht, einer hochentwickelten Kultur in Literatur und Musik und einer Adelsschicht, die mit ganz Europa verwoben war.

 

Patriotismus und Nationalismus?

Mein Vater war ein passionierter tschechischer Nationalist. Die slawische Bewegung des 19. Jahrhunderts, die Neuprägung der tschechischen Sprache, böhmische Musik und Kultur, all das war für ihn von großer Bedeutung und prägte auch uns, sodass, wenn wir in den1990er Jahren über die Grenze kamen, uns die Felder grüner, die Wälder größer und die Städte schöner erschienen.

 

Vertreibung, Exil oder Vertreibung

Viele Mitglieder der großen Familien sind im Lande geblieben und haben die kommunistische Unterdrückung mit den anderen geteilt. Sie waren vor dem Kommunismus im Lande sehr beliebt. 

 

Nikolaus Lobkowicz

Mein Vater trug immer eine Aktentasche bei sich, mit seinem Pass und genug Geld, um zu entkommen, falls die Russen nachrücken würden. Er wollte nie ein Haus besitzen aus dem gleichen Grunde, und hatte eigentlich gar kein Verhältnis zu den flüchtigen Dingen dieser Welt. Den Verlust der Heimat aber, der Sprachgemeinschaft, der Freunde, der vielfältigen kulturellen und politischen Bezüge seiner Familie in diesem Land, das hat er nie ganz verwunden.

 

Richard Belcredi

Richard Belcredi war in unserer Jugend in München oft zu Gast. Eine rundliche Figur, meist lachend, für uns Kinder ein gern gesehener Gast.

 

Ferdinand Kinsky

Ferdinand Kinsky junior war ein naher Verwandter, sprachgewandt und weltläufig, mit entzückenden Kindern und einer sehr netten Frau. Im Haus der Familie in Nizza verbrachte ich als 16-Jähriger mal einen Teil der Sommerferien.

 

Karl Schwarzenberg

Mein Vater, wie auch Kari Schwarzenberg, kamen aus wahrhaft europäischen Familien. Die Heiratspolitik ging in der Geschichte von Spanien und Italien über Frankreich und Deutschland, war also keinesfalls auf Böhmen beschränkt. Der Eiserne Vorhang blieb ein künstliches Hindernis für sie, hinter dem die Menschen litten. Sie waren bereit alles zu tun, um dieses Leiden geringer zu machen.

 

Neuanfang nach 1989

Oft reisen wir im Jahreskreis nach Böhmen zu freudigen und traurigen Anlässen. Ich habe die Sprache nicht gelernt und nie dort gewohnt. Aber so viele Mitglieder meiner Familie sind nach Hause gekommen, konnten die Sprache oder haben sie gelernt und sind heute wieder tief verwurzelt.

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Mittwoch, 11. Mai 2022

19.00 Uhr

Marek Toman: Lob des Opportunismus

Lesung und Gespräch

Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, 81669 München

Im Roman Lob des Opportunismus (Wieser Verlag 2021, aus dem Tschechischen von Raija Hauck) trifft ein außergewöhnlicher Erzähler auf ein spannendes Stück mitteleuropäischer Geschichte. Dieser Erzähler bildet sich sehr viel auf seine Größe, seine Urteilsfähigkeit und seine Allwissenheit ein. Dabei wirkt er aber häufig borniert und manchmal lächerlich: ein Palast als Erzähler? Von der angesehenen Adelsfamilie Czernin in Prag erbaut, hat er in seiner langen Geschichte viele Funktionen erfüllen müssen: Residenz, Kaserne, Armenhaus, Sitz des Reichsprotektors und Außenministerium eines neuen Staates. So bewahrt er in seinen Wänden viele Geheimnisse, denen er seine eigene Interpretation gibt.

Moderation: Zuzana Jürgens, Adalbert Stifter Verein

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Dienstag, 31. Mai 2022

19.00 Uhr

100 Jahre Paneuropa-Bewegung

Kurzvorträge und Gesprächmit Bernd Posselt und Martin Posselt

Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, 81669 München

Die älteste europäische Einigungsbewegung hat ihre Wurzelnin Böhmen. Ins Leben gerufen wurde sie vor hundert Jahren durch Richard Graf Coudenhove-Kalergi, der zwar in Tokio auf die Welt kam, aber im westböhmischen Ronsperg/Poběžovice, auf dem Schloss seines Vaters, aufgewachsen ist. Der Historiker Martin Posselt wird die böhmischen Wurzeln von Coudenhoves Paneuropa-Projekt beleuchten, und Bernd Posselt als Präsident der Paneuropa-Union Deutschland befasst sich mit einem noch wenig bekannten Thema, nämlich dem Weg der Paneuropa-Idee vom Künstlermilieu in den Parlamentarismus.

Das anschließende Gespräch mit den beiden Gästen moderiert Viktoria Großmann, Süddeutsche Zeitung.

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Dienstag, 21. Juni 2022

19.00 Uhr

Adel heute

Podiumsdisskusion

Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, 81669 München

Die Ausstellung Kulturelle Brücken in Europa beleuchtet das Engagement des Adels aus den böhmischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Adelige, die vertrieben wurden oder vor den Kommunisten geflüchtet sind, hielten den Kontakt mit der alten Heimat aufrecht und pflegten das Bewusstsein der gemeinsamen kulturellen Wurzeln. Ein Grund dafür war sicher die jahrhundertelange familiäre Verbundenheit mit dem Land. Wie stehen aber ihre Nachkommen, die nicht mehr dort geboren sind und vieles nur vom Hörensagen kennen, zu diesem Erbe? Fühlen auch sie sich dem Land und den Menschen verpflichtet? Und wird der Adel mehr als hundert Jahre nach der offiziellen Abschaffung des Adelsstandes noch von dieser besonderen Tradition geprägt?

Eine Podiumsdiskussion mit Espérance Kinsky, Christoph Thun und Kristiana Belcredi (angefragt) Moderation: Stephan Löwenstein, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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