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Dienstag, 28. Mai 2024

18.00 Uhr

Du bist gekommen und bleibst

Themenabend

Österreichisches Kulturforum Berlin, Stauffenbergstr. 1, Berlin

Die von undurchsichtigen Beziehungen und Bedrohungen durchsetzten Texte Franz Kafkas haben uns gerade in den heutigen Zeiten des allseits erstarkenden Autoritarismus viel zu sagen. Auch Jugendliche fühlen sich durch die von ihm erschaffenen Welten, in denen das Individuum unbekannten Kräften ausgeliefert ist, fasziniert– was sich etwa in millionenfachen Aufrufen des Hashtags #kafka in den Sozialen Medien spiegelt. Am 3. Juni 1924 starb Franz Kafka in einem Sanatorium in Kierling bei Wien. Dort befindet sich heute ein stimmungsvoller und informativer Gedenkraum.

„Du bist gekommen und bleibst“: Dieser Satz stammt aus einem Prosafragment Kafkas, in dem er mit feiner Ironie eine Geisterbeschwörung schildert. Er konnte nicht ahnen, dass dies auch für seine Präsenz in der Literatur bis heute zutreffen würde. Wie erinnert man in Österreich in diesem Jahr an den Ausnahmeschriftsteller? Welche Projekte finden dazu in Deutschland statt und welche in seiner tschechischen Heimat? Nach einem Gespräch zur Wirkung von Werk und Leben in den drei Ländern beleuchten Reiner Stach, international renommierter Kafka-Forscher, und Manfred Müller, Vorsitzender der Österreichischen Franz-Kafka-Gesellschaft, die letzten Lebenswochen des Autors. Zuletzt präsentiert ein Vortrag mit Schauspielerlesung witzig-groteske Aspekte seines Schreibens.

Programm

Das Kafka-Gedenkjahr in Deutschland, Österreich und Tschechien

Podiumsgespräch mit Reiner Stach, Kafka-Forscher, Manfred Müller, Vorsitzender Österreichische Kafka Gesellschaft, Věra Koubová, Kafka-Übersetzerin ins Tschechische, und Zuzana Jürgens, Geschäftsführerin des Adalbert Stifter Vereins.

Moderation: Vera Schneider, Deutsches Kulturforum östliches Europa

Kafkas letzte Lebenswochen

Bildvortrag und Gespräch mit Reiner Stach und Manfred Müller

Kafka und der Humor

Vortrag von Reiner Stach mit Schauspielerlesung

Eintritt: frei

Anmeldung hier.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft, dem Österreichischen Kulturforum Berlin und der Tschechischen Botschaft Berlin

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Mittwoch, 29. Mai 2024

18.00 Uhr (c.t.)

Kafkas Klagen. Zur Poetik der Beschwerde

Wissenschaftlicher Vortrag von Juliane Prade-Weiss

Ludwig-Maximilians-Universität, Hauptgebäude, Raum A119, Geschwister-Scholl-Platz 1, München

Der Vortrag in der Reihe „Franz Kafka im interkulturellen Kontext Prags“ stellt Texte ins Zentrum, in denen der ausgebildete Jurist Kafka sich dem Ungenügen juridischer Begriffe und Prozesse widmet.

In vielen Texten Kafkas wird geklagt: über körperliche Beschwerden, aber auch über Beziehungen, Hierarchien, Institutionen oder andere Tücken. Und in vielen Texten kann keine Abhilfe geschaffen werden, stattdessen untersuchen sie die Spannung zwischen Möglichkeiten, Recht walten zu lassen, und der Struktur von Klagen, die über das Recht hinausgeht. Klagen sind Grimms Wörterbuch zufolge „eig. geschrei, selbst vor Gericht geschrei, mit dem man seinen schädiger beschuldigt, dasz es möglichst alle hören, und die hilfe des richters anruft“. Klagen geben zwar zu Anklagen und Urteilen Anstoß, transzendieren diese aber, weil Schmerzen und Kränkungen nicht ungeschehen zu machen sind, Tode und Verluste sich der Wiedergutmachung entziehen. Dass Klagen das Recht transzendieren, ist kein leichtfertig auszustellender Befund, ist doch der juridische Diskurs eine zentrale Instanz der Konfliktverhandlung westlicher Gesellschaften. Im Vortrag werden Texte Kafkas im Zentrum stehen, in denen der ausgebildete Jurist und Versicherungsanwalt Kafka sich dem Ungenügen juridischer Begriffe und Prozesse dabei widmet, Klagen Genüge zu tun. Besonderes Augenmerk gilt dabei Kafkas Kritik an einer wichtigen Geste der Moderne: dem öffentlichen Aufschrei gegen Ungerechtigkeit, der eine Plattform für Anwälte schafft, die im Namen von Klienten sprechen, ihnen im selben Zug aber auch die Stimme nehmen. In der Moderne, so erscheint es bei Kafka, werden Beschwerden, die Gerechtigkeit einklagen, ein Leitmedium von Individualität, doch die institutionelle Logik modernen juristischen Handelns kann dieses Versprechen nur verraten.

Juliane Prade-Weiss, Professorin am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München

Moderation: Franziska Mayer

Eintritt: frei

Eine Veranstaltung des Adalbert Stifter Vereins – Kulturinstitut für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Bohemicum – Center for Czech Studies der Universität Regensburg, dem Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Institut für tschechische Literatur der tschechischen Akademie der Wissenschaften.

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Sonntag, 2. Juni 2024

11.00 Uhr

Kafkas Reise durch die bucklige Welt

Lesung mit Musik

Kulturzentrum Giesinger Bahnhof, Giesinger Bahnhofsplatz 1, München

Bernhard Setzwein liest, musikalisch umrahmt von Michel Watzinger (Hackbrett), aus seinem neuen utopischen Kafka-Roman.

Was, wenn Franz Kafka im Jahr 1924 gar nicht gestorben wäre? Wenn er weitergelebt hätte, wie hätte er gelebt, wie geliebt? Wo hätte er sich aufgehalten? Hätte er selbst noch erlebt, wie er weltberühmt wird?

Dieses Gedankenspiel betreibt Bernhard Setzwein in seinem Roman „Kafkas Reise durch die bucklige Welt“, der zum 100. Todestag von Franz Kafka erscheint. In Setzweins Buch hat Kafka seinen Tod in Kierling bei Wien 1924 nur vorgetäuscht. Er ist untergetaucht und hat die erfolglose Schriftstellerei aufgegeben, stattdessen arbeitet er, in die Jahre gekommen, im Apollo-Kino in Meran.

Bernhard Setzwein hat einen rasanten, amüsanten Kafka-Roman vorgelegt, der den berühmten Schriftsteller im wahrsten Sinne des Wortes wiederauferstehen lässt – und der es schafft, aufs Neue die Lust auf Franz Kafkas Werke und das Interesse für sein Leben zu wecken.

Eintritt: 10 € / 5 €

Eine Veranstaltung von kairosis – Magnet für Vielfalt in Kooperation mit dem Giesinger Kulturbahnhof und dem Kulturreferat für die böhmischen Länder.

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Sonntag, 2. Juni 2024

bis Donnerstag, 6. Juni

Franz Kafka intermedial. Aneignungen und Wirkungen zwischen Bild, Ton und Wort

Jahrestagung des Johann Gottfried Herder Forschungsrates

Prag/Praha, Pilsen/Plzeň

Die Aktualität des Kafkaschen Werkes wird durch höchst polyphone Deutungspositionen unterstrichen, die allerdings letztlich auf eine Uninterpretierbarkeit von Literatur im Allgemeinen und auf ein Unbehagen ob dieser Unerschöpflichkeit, Vieldeutigkeit, Undeutbarkeit des Werkes verweisen. Zum 100. Todestag des Urhebers dieser Interpretationskultur resp. -industrie soll es auf der Tagung somit weniger um Neudeutungen von Autor, Werk und Kontext, als vielmehr um Aneignungen und Wirkungen in den unterschiedlichsten Künsten, aber auch in alltags-, populär- und letztlich erinnerungskulturellen Kontexten gehen. Damit verbunden sind Fragen nach der Wirkung und Durchsetzung eines weltliterarisch kanonisierten Autors im globalen Feld der Kunst sowie nach der Diffusion der Kafkaschen Texte und Motive bzw. Meme in die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereiche.

Inwieweit prägt Kafkas eigenes Verhältnis zu bildender und darstellender Kunst sowie Musik, aber auch zum Film seine Texte? Gibt es strukturelle Entsprechungen zwischen seinen Texten und seinen inzwischen umfassend edierten Zeichnungen?

Ist die intermediale Rezeption eine rein inhaltliche oder ist sie durch Kafkas „Übersetzungen“ der Künste und Medien in seine Texte vorstrukturiert?

Mit welchen Formen und Mitteln wird im globalen Feld der Kunst auf Kafkas Texte reagiert?

Lassen sich in den verschiedenen Künsten Ähnlichkeiten bei der Aneignung Kafkascher Texte beobachten oder sind diese je spezifisch?

Was wird aus den Spezifika des Kafkaschen Schreibens durch die Diffusion des Autors in alltags- und populärkulturelle Kontexte? Oder: Wieviel Kafka steckt im Kafkaesken?

Das Programm können Sie sich hier auf Deutsch oder auf Tschechisch als pdf herunterladen.

Kontakt: Prof. Dr. Steffen Höhne, Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar | Friedrich-Schiller-Universität Jena, Prof. Dr. Manfred Weinberg, Institut für germanische Studien | Philosophische Fakultät der Karls-Universität Prag

Eine Veranstaltung des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates, der Kurt Krolop Forschungsstelle an der Karls-Universität Prag, des Instituts für Germanische Studien der Philosophische Fakultät an der Karls-Universität Prag. In Kooperation mit der Deutschen Botschaft Prag, dem Adalbert-Stfiter-Verein München, der Westböhmischen Galerie in Pilsen, dem Goethe- Institut Prag, dem Österreichischen Kulturforum Prag, dem DOX-Centre for Contemporary Art

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Sonntag, 2. Juni 2024

19.00 Uhr

Spejbl & Hurvínek und die Musik

Deutsch-tschechischer Marionettenabend

Regionální muzeum v Teplicích, Zámecké náměstí 517, Teplice/Teplitz

Den berühmten Marionettenfiguren von Josef Skupa leihen Markus Dorner, Martin Klásek und Michal Barták ihre Stimmen.

Zündende Dialoge und schmissige Songs prägen den grenzüberschreitenden Marionettenabend mit den berühmten Marionettenfiguren von Josef Skupa. Hören Sie die humoristisch-grotesken Dialoge von Vater und Sohn alias Spejbl und Hurvínek und genießen Sie vielfältige musikalische Szenen mit Mozart-Arien und Musical-Songs. Die hohe Schule der Marionettenkunst vereint drei Marionettenspieler aus der Tschechischen Republik und aus Deutschland.

Es spielen: die Marionettenspieler Martin Klásek aus Prag, langjähriger stimmlicher Interpret der beiden Helden Spejbl und Hurvínek, Michal Barták aus Prag und Markus Dorner aus Neustadt an der Weinstraße.

Eine Veranstaltung des Kulturreferat für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Regionalmuseum Teplice und dem Museum für PuppentheaterKultur Bad Kreuznach.

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Montag, 3. Juni 2024

19.00-22.00 Uhr

Kafka performance dinner

Performance

Kafkárna, Buštěhradská 2, Prag 6

Den 100. Todestag von Franz Kafka würdigt ein thematisches Erlebnisfest unter Mitwirkung tschechischer und deutscher Künstler.

Kafkárna ist ein fast hundert Jahre altes Atelier im Prager Stadtteil Ořechovka, das für den Bildhauer Bohumil Kafka und seine monumentalen Werke – insbesondere das Denkmal für Jan Žižka im Prager Stadtteil Vítkov – erbaut wurde. Seit den 1990er Jahren wird das Atelier von Studenten der Hochschule für Kunst, Architektur und Design „UMPRUM“ genutzt. Derzeit beherbergt es auch das Zentrum für Kunst und Ökologie der UMPRUM, das Kunst und Wissenschaft verknüpft und das Atelier sowie den zauberhaften Garten voller Skulpturen für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Alle sind herzlich eingeladen!

Eintritt: frei

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Goethe-Institut Prag und dem Zentrum für Kunst und Ökologie an der UMPRUM.

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Dienstag, 4. Juni 2024 (bis 28. Oktober)

16.00 Uhr

Mit Kafkas Augen. Zwischen Sprache und Bild

Ausstellungseröffnung

Ausstellungssaal Masné krámy - Západočeská galerie v Plzni, Pražská 18, Pilsen

Die Beziehung Franz Kafkas zur bildenden Kunst sowie zur visuellen Kultur seiner Zeit steht hier ebenso im Mittelpunkt wie sein eigenes zeichnerisches Schaffen.

Der Betrachter Franz Kafka interessierte sich neben der hohen Kunst auch für Ausdrucksformen der Popkultur, darunter Illustrierte und Plakate, Film, Fotografie, Tanz, Zirkus und Kabarett. In der Heterogenität der Bilder, die Kafka in seinem Alltag umgaben, können wir eine Parallele zur Mehrsprachigkeit sehen, die für Prag und den gesamten mittel- und osteuropäischen Raum dieser Zeit charakteristisch war. Beim Durchqueren seiner Stadt war Kafka einem Sprachenwirrwarr ausgesetzt – Tschechisch und Deutsch, darunter das Deutsch der jüdischen Intellektuellen, das „deutsche Kreol“ der tschechischen Köchinnen sowie Bediensteten, und nach 1914 das Jiddisch der jüdischen Flüchtlinge aus dem Osten.

Die visuellen Reize, die auf Kafkas Vision einwirkten, waren vielfältig. An den Gebäudeecken der Stadt hingen Plakate, die die Ästhetik des historischen Eklektizismus und des Akademismus mit dem Jugendstildekorativismus der Jahrhundertwende sowie dem Japonismus, später auch mit Anklängen an den in Prag sehr einflussreichen Kubismus, verbanden. Auf den Ausstellungen der Mánes-Gesellschaft der Künstler konnte Kafka dem französischen Impressionismus, dem Postimpressionismus, dem tschechischen Jugendstil-Symbolismus und Kubismus oder dem nordischen symbolistischen Expressionismus begegnen.

Auf den Ausstellungen der Krasoumná Jednota und des Vereins Deutscher Künstler in Böhmen begegnete er Vertretern der Salonmalerei aus den Zentren des Deutschen Reiches ebenso wie Vertretern des deutsch-tschechischen Spiritualismus. Im Klub deutscher Künstlerinnen konnte er die Arbeiten von Malerinnen und Bildhauerinnen aus Prag, Olmütz, Brünn, Wien, München und anderen Zentren der deutschsprachigen Bildhauerei sehen, die konformistische Malpraktiken anwendeten, aber auch künstlerische Innovationen reflektierten.

In den Prager Kinos beobachtete er den exaltierten Ausdruck von Gesten und Bildern in europäischen und amerikanischen Stummfilmen, besuchte Aufführungen des russischen und französischen Balletts, und in Kabaretts nahm er aufmerksam die Haltungen und Bewegungen wahr, die den Gesang, den Tanz sowie die Rezitation der Varietékünstler begleiteten.

Die von Marie Rakušanová kuratierte Ausstellung versucht, dem heutigen Betrachter diese Vielfalt mittels unterschiedlicher Medien zu präsentieren. Gleichzeitig wird die Frage gestellt, wie sich Kafkas visuelle Erfahrungen in der Sprache seiner Texte spiegeln. Kafka verschlang, beobachtete und beschrieb disparate Bilder, aber er hat sie nie kategorisiert, interpretiert oder beurteilt. Zugleich empfand er ein gewisses Misstrauen gegenüber visuellen Eindrücken.

In seinen Tagebüchern und Briefen spricht er von der Sehnsucht, die solche Bilder in ihm wecken, ohne sie zu befriedigen. Die Krise der Repräsentation visueller Zeichen dringt auch in Kafkas Sprache ein. Die ambivalenten Gefühle des Schriftstellers gegenüber dem Visuellen spiegeln sich in seinen Kurzgeschichten und Romanen, die aus der Spannung zwischen Bild und Sprache leben.

Zur Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation in tschechischer und englischer Sprache im KANT-Verlag mit Beiträgen von Marie Rakušanová (Karls-Universität Prag), Nicholas Sawicki (Lehigh University Bethlehem, Pennsylvania), Marek Nekula (Universität Regensburg), Alexander Klee (Belvedere, Wien) und Miroslav Halák (Belvedere, Wien).

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr

Eintritt: 70 Kč / 35 Kč

Begleitprogramm: www.zpc-galerie.cz

In Kooperation mit der Westböhmischen Galerie in Pilsen sowie mit dem Jüdischen Museum in Prag im Rahmen seines Projekts Kafka100

Gefördert durch das Kulturministerium der Tschechischen Republik, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und den Staatlichen Kulturfonds der Tschechischen Republik.

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Samstag, 15. Juni 2024

19.00 Uhr

Kafkas Stimmen - VERSCHOBEN AUF DEN 4. DEZEMBER 2024

Szenische Lesung

Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München

Max Simonischek und Wiebke Puls führen durch die vielgestaltige Welt von Kafkas Sprache.

Leser, die sich intensiver mit Texten des in Prag geborenen deutschsprachigen Schriftstellers Franz Kafka (1883–1924) beschäftigen, stoßen fast zwangsläufig auf ein schwer erklärbares, widersprüchliches Phänomen. Einerseits wird ihnen Kafkas „Sound“ immer vertrauter – Stil, Tonlage, Wortschatz –, so dass sie auch bei weniger bekannten Texten seine Autorschaft schon nach wenigen Sätzen erraten können. Andererseits wird ihnen die immense sprachliche Bandbreite und Modulationsfähigkeit Kafkas immer bewusster. Dieser paradoxe Effekt ist auch aus anderen künstlerischen Bereichen bekannt, etwa bei Sängern.

Die szenische Lesung Kafkas Stimmen ist eine Komposition von originalen Textpassagen, die auch weniger erfahrenen Lesern diese Vielfalt zu Gehör bringen und sie damit zu weiterer Lektüre verführen soll. Die Lesung bietet zahlreiche Momente der Überraschung und inneren Bewegung, phantastische Einfälle und abgründige Komik.

Kafka gelingt die Traumerzählung ebenso wie der Liebesbrief und das amtliche Schreiben, der Aphorismus und die durchkomponierte Kurzprosa, die Parabel und der Slapstick, die theaterhafte Romanszene, das literarische Tagebuch und manchmal alles gleichzeitig und ineinander verschränkt, ohne dass man je das Gefühl hätte, dass der Autor die Kontrolle verliert.

Textkomposition und Einführung: Reiner Stach, Germanist und Autor einer dreibändigen Kafka-Biografie (S. Fischer, 2002–2014).

Max Simonischek absolvierte ein Schauspielstudium am Mozarteum, Salzburg. Engagements u. a. am Wiener Burgtheater, an den Münchner Kammerspielen, bei den Salzburger Festspielen. Zahlreiche Preise, darunter der Nestroy-Theaterpreis. 2015 inszenierte und spielte Max Simonischek erstmals am Zürcher Neumarkt-Theater Kafkas Der Bau; sein Stück Kafka stirbt hatte im Juni 2022 Uraufführung am Theater Innsbruck.

Wiebke Puls studierte Schauspiel in Berlin. Engagements in Hannover und Hamburg, seit 2005 an den Münchner Kammerspielen. Zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt der 3sat-Preis.

Eintritt: 12 € / 7 € (Abendkasse)

Kartenreservierung: eveeno.com/kafkas-stimmen

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Literaturhandlung München.

Gefördert aus Mitteln des Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

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Mittwoch, 19. Juni 2024

18.00 Uhr (c.t.)

Mediators, Translators, Readers. The Reception of Franz Kafka in Czechoslovakia

Wissenschaftlicher Vortrag von Veronika Tuckerová

Ludwig-Maximilians-Universität, Hauptgebäude, Raum A119, Geschwister-Scholl-Platz 1, München

Der englischsprachige Vortrag in der Reihe „Franz Kafka im interkulturellen Kontext Prags“ beleuchtet das Vermächtnis des multikulturellen Prags.

Kafka was mediated to Czech readers by translators; some also appropriated him through translations of their own, and others through walking in his footsteps in Prague. A highly mediated author (through translations and various strategies to help him “return” to Prague), he was also apprehended with immediacy and perceived on “intimate”, or pre-theoretical terms (Havel). This talk draws on extensive research of Kafka’s reception in Czechoslovakia from 1920s to 1989, and highlights the legacies of multilingual and multicultural Prague.

Kafka wurde tschechischen Lesern durch Übersetzer vermittelt; einige Leser machten sich ihn aber auch durch eigene Übersetzungen zu eigen, andere, indem sie seinen Spuren in Prag folgten. Als stark „vermittelter“ Autor (durch Übersetzungen und verschiedene Strategien, die ihn nach Prag „zurückholen“ sollten) wurde er dennoch auch unmittelbar wahrgenommen und „intim“ oder vortheoretisch (Havel) rezipiert. Der Vortrag stützt sich auf umfangreiche Forschungen zur Kafka-Rezeption in der Tschechoslowakei von den 1920er Jahren bis 1989 und beleuchtet das Vermächtnis des mehrsprachigen und multikulturellen Prag.

Veronika Tuckerová, Department of Slavic Languages and Literatures an der Harvard University

Moderation: Juliane Prade-Weiss

Eintritt: frei

Eine Veranstaltung des Adalbert Stifter Vereins – Kulturinstitut für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Bohemicum Regensburg, dem Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Institut für tschechische Literatur der tschechischen Akademie der Wissenschaften

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Mittwoch, 19. Juni 2024

10.00 Uhr (c.t)

Kafka und der Zionismus

Wissenschaftlicher Vortrag von Andreas Kilcher

Online

Kafka war weder Zionist noch Nicht-Zionist. Der Vortrag in der Reihe „Franz Kafka im interkulturellen Kontext Prags“ widmet sich Kafkas Auseinandersetzung mit zionistischen Ideen und Texten.

Für Kafka gilt eine Art negative Dialektik, wenn es darum geht, sein Verhältnis zu einer Idee wie den Zionismus zu charakterisieren: Er war weder Zionist noch Nicht-Zionist. Nicht um eine Gesinnungsfrage kann es daher gehen, sondern vielmehr um die Frage, wie sich Kafka mit zionistischen Ideen und Texten auseinandergesetzt hat, sowie darum, ob diese Auseinandersetzung auch in seinen literarischen Texten – wie auch immer verschoben – erkennbar wird.

Andreas B. Kilcher ist Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft an der ETH Zürich. Er ist der Autor der Monographie Franz Kafka. Leben. Werk. Wirkung (2008) und Herausgeber von Franz Kafka: Die Zeichnungen (2021). Dieses Jahr erscheint sein Buch In Kafkas Werkstatt.

Moderation: Marek Nekula

Anmeldung: marek.nekula@ur.de

Der Gastvortrag findet online statt und wird von der Regensburger Universitätsstiftung Hans Vielberth gefördert.

Eine Veranstaltung des Bohemicum – Center for Czech Studies der Universität Regensburg in Kooperation mit dem Adalbert Stifter Verein – Kulturinstitut für die böhmischen Länder, dem Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Institut für tschechische Literatur der tschechischen Akademie der Wissenschaften

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Mittwoch, 26. Juni 2024

18.15 Uhr

Vertreibung, Flucht und Backoffice. Zum Engagement von böhmischen und mährischen adeligen Frauen nach 1945

Podiumsgespräch

Hörsaal des Instituts für Osteuropäische Geschichte, Universitätscampus, Hof 3, Spitalgasse 2, Wien/Österreich

Über Wege, Umwege, Kontakte und Hilfen nach 1945 sprechen Aglaë Hagg-Thun, Johanna El Khalak-Haugwitz, Jan Royt (angefragt) und Franz Thun.

Im Rahmen der Ausstellung Kulturellen Brücken in Europa. Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945.

Das Gespräch soll den Anteil von adeligen Frauen offenelegen und würdigen, die nach 1945, als sie mit ihren Familien aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden oder vor den Kommunisten geflohen waren, über den Eisernen Vorhang hinweg und abseits der Öffentlichkeit Kontakt mit der ehemaligen Heimat (vlast) aufrecht erhielten, die Beziehungen zu Verwandten, Freunden sowie ehemaligen Angestellten nicht abreißen ließen und das Bewusstsein gemeinsamer kultureller Wurzeln pflegten.

Moderation: Zuzana Jürgens (München) und Marija Wakounig (Wien)

Veranstalter: Institut für Osteuropäische Geschichte/Österreich und Ostmitteleuropa Zentrum Wien/ Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung; Institut für Slawistik, Universitätsbibliothek Wien/Fachbibliothek Osteuropäische Geschichte und Slawistik, Tschechisches Zentrum Wien, die Kreuzherrenorden/Karlskirche und Adalbert Stifter Verein - Kulturinstitut für die böhmischen Länder.

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Donnerstag, 27. Juni 2024

18.00 Uhr

Otokar-Fischer-Preis

Preisverleihung

Goethe-Institut, Masarykovo nábřeží 32, Prag

Bereits zum fünften Mal wird in Prag der Otokar-Fischer-Preis für herausragende geisteswissenschaftliche Arbeiten mit germanobohemistischer Thematik verliehen.

Seit 2020 vergibt das Institut für Literaturforschung (Institut pro studium literatury) den Preis zusammen mit dem Adalbert Stifter Verein. Die Preisträger werden im Mai bekannt gegeben.

Eintritt: frei

In Kooperation mit dem Institut pro studium literatury/Institut für Literaturforschung und dem Goethe-Institut Prag.

Gefördert durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, die Hauptstadt Prag und das Kulturministerium der Tschechischen Republik.

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Mittwoch, 3. Juli 2024

19.00 Uhr

In dieser grossen Zeit

Vortrag und Lesung

Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München

Winfrid Halder und Katja Schlenker stellen den vor 150 Jahren im böhmischen Gitschin / Jičín geborenen Autor und Literaturkritiker Karl Kraus vor.

Karl Kraus, 1874 im böhmischen Gitschin/Jičín geboren und in Wien aufgewachsen, gehörte zu den kompromisslosesten Kritikern seiner Zeit, an Sprachmächtigkeit kam ihm wohl niemand gleich. Kraus, der seit 1899 seine eigene Zeitschrift „Die Fackel“ herausgab und diese bald schon im Alleingang schrieb, kannte keine falschen Rücksichten, schon gar keine parteipolitischen, sein satirischer Witz war von geradezu tödlicher Treffsicherheit. Dementsprechend hatte er wenige treue Freunde, viele Bewunderer und ungezählte hasserfüllte Feinde. Unabhängig von den unmittelbar betroffenen Personen sind seine Zeitdiagnosen bis heute von frappierender Aktualität. Nicht zuletzt die Texte aus Krausʼ letzter Lebensphase bis zu seinem Tod 1936, als er sich mit dem Aufstieg und der ersten Herrschaftsphase des Nationalsozialismus konfrontiert sah, muten teilweise an, als seien sie geradewegs auf unsere Tage hin geschrieben.

Im Anschluss sommerlicher Ausklang auf der Terrasse.

Vortrag: Winfrid Halder, Historiker und Direktor der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

Lesung: Katja Schlenker, Historikerin und Kuratorin für Ausstellungen und Vermittlung an der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

Eintritt: frei

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus.

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Mittwoch, 10. Juli 2024

18.00 Uhr (c.t.)

Kafka intermedial. „Das Urteil“ als Graphic Novel

Wissenschaftlicher Vortrag von Elena Giovannini

Ludwig-Maximilians-Universität, Hauptgebäude, Raum A119, Geschwister-Scholl-Platz 1, München

Der Vortrag in der Reihe „Franz Kafka im interkulturellen Kontext Prags“ stellt am Beispiel des „Urteils“ die Auswahl- und Interpretationsprozesse auf Text- und Bildebene dar, die aus Kafkas Erzählung ein neues, intermediales Werk entstehen lassen.

Wie erfolgreich Franz Kafka 100 Jahre nach seinem Tod beim breiten Publikum ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sein kantiges Gesicht und die schlanke Gestalt zu einer Art Pop-Ikone geworden sind und nicht nur im deutschsprachigen Raum etwa in Film, bildender Kunst und Merchandising eine Rolle spielen. Auch der Comic hat sich Leben und Werk des Autors zugewandt.

Die Zeichnungen Kafkas bilden eine erste Brücke zwischen Wort und Bild, die von Graphic-Novel-Autoren aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Am Beispiel des „Urteils“ wird gezeigt, wie ein literarischer Text in die Sprache der sogenannten ‚Neunten Kunst‘ übersetzt werden kann. Dabei werden die notwendigen Auswahl- und Interpretationsprozesse auf Text- und Bildebene dargestellt, die aus Kafkas Erzählung ein neues, intermediales Werk entstehen lassen.

Elena Giovannini, Professorin für Germanistik an der Università del Piemonte Orientale, Vercelli, Italien

Moderation: Franziska Mayer

Eintritt: frei

Eine Veranstaltung des Adalbert Stifter Vereins – Kulturinstitut für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Bohemicum Regensburg, dem Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Institut für tschechische Literatur der tschechischen Akademie der Wissenschaften.

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